Machos und Ameisen

In knapp 2,5 Monaten geht es schon wieder zurück nach Deutschland und ich kann es kaum glauben. Ich habe das Gefühl je länger ich hier bin, desto schneller vergeht die Zeit. Liegt wahrscheinlich daran, dass man sich mit der Zeit immer besser zurechtfindet, mehr Freunde vor Ort hat und Routine und Gewohnheiten entwickelt. Und natürlich vergeht die Zeit immer am allerschnellsten wenn man schöne Dinge erlebt.

Besonders schön war für mich der Besuch meiner Familie Ende März, Anfang April. Zusammen haben wir eine Woche am Strand genossen und sind dann noch in mein Dörflein weiter gereist. Ich habe die Wochen mit ihnen sehr genossen und es gab viel Gesprächsstoff nach acht Monaten in der Ferne. Ähnlich wie bei dem Besuch davor von meinem Vater war es auch aufregend und schön zugleich zu sehen wie meine Familie all die Leute und Dinge selbst kennen lernt von denen ich vorher immer nur erzählen konnte. Auf jeden Fall hat es ihnen sehr gut gefallen denke ich. Jetzt steht noch ein Besuch im Juli an, der auch etwas ganz Besonderes wird. Dort wird mich meine Cousine Lea für fast drei Wochen hier und in Panama begleiten. Ich freue mich schon sehr!

Meine Familie (Karla hat uns gefehlt)

Essen mit Aussicht


Strand Manuel Antonio



Im Moment beschäftigt mich aber ein Thema ganz besonders im Alltag. Ich glaube, dass ich in einem vorherigen Eintrag die problematische Mann-Frau Beziehung in Costa Rica angesprochen habe. Im Laufe der Zeit und mit mehr Vertrauen erzählen mir die Menschen vor Ort auch immer delikatere Themen. So habe ich einiges über den in Costa Rica sehr stark ausgeprägten Machismus gelernt. Machismus (hier Machismo) beschreibt mehr oder weniger das übersteigerte Gefühl von männlicher Überlegenheit und Vitalität. Bereits am Anfang meiner Zeit habe ich bei mir auf dem Land oft gemerkt, dass einige Frauen kaum oder nie das Haus verlassen. Mittlerweile weiß ich, dass sich das für Frauen auch nicht gehört und diese sogar schlecht über die weiblichen Bewohner des Dorfes sprechen wenn sie „sich auf der Straße herumtreiben“ oder arbeiten gehen. Der absolute Lebensmittelpunkt ist für viele Frauen der Haushalt, der Mann und die Kinder. In den letzten Jahren hat sich das denke ich schon ein bisschen geändert, da ich auch einige kenne, die einem Beruf nachgehen. Trotzdem ist das auf dem Land eher unüblich. Machismus kennt aber auch noch unschönere Ausprägungen, wie Ausgehverbote für die Ehefrau oder Töchter, kein Mitspracherecht über Ausgaben oder Anschaffungen, ekelhaftes Hinterhergerufe von verheirateten Männern, Fremdgehen oder häusliche Gewalt teils auch Vergewaltigung, die von Frauen einfach ausgehalten wird. Kurz gesagt, die Frau ist eben unterlegen. Was bei mir regelmäßig Gänsehaut auslöst ob aus Schock, Angst, Wut oder Trauer ist für die Frauen hier aber eine Realität, der sie nur schwer entgehen können. Zum Beispiel erfährt nach einer Scheidung eher die Frau einen sozialen Ausschluss als der Mann. Abschließend kann ich nur sagen, dass ich oft nicht weiß, wie ich reagieren soll, wenn ich mal wieder etwas in die Richtung mitbekomme oder ich merke wie man sich hier mit der eigenen Unterordnung einfach abfindet. Oft bin ich einfach nur so geschockt, dass ich gar nichts sagen kann. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass sich diese Struktur im Moment ein bisschen Verändert und Frauen mit samt ihren Rechten bestärkt werden. Zum Beispiel gründen sich immer mehr Gruppen in ländlichen Gemeinden wie zum Beispiel in Altamira die "Hijas del Sol" (Töchter der Sonne), die gemeinsam Milchprodukte und Marmeladen herstellen. Ich hoffe, dass sich dieser Trend in Zukunft verstärkt. 


Zum Ende noch mal was ganz Anderes. Irgendwann in den letzten Wochen hatten wir überfallartig Millionen von Ameisen zuerst in der Küche von AsoProLa, dann im Bereich des Büros. Auch auf der ganzen Auffahrt hat es nur so von Ameisen gewimmelt. Meine Gastschwester Yendry hat mich dann aufgeklärt. Für die Leute hier sind diese Ameisen eine ‚bendición’, also ein Segen. Die Ameisenkolonie taucht plötzlich auf, beseitigt jeglichen Schmutz und alle Ungeziefer und verschwindet wieder. Angeblich verlassen ganze Familien für ein oder zwei Tage ihr Haus wenn diese Aufräumer kommen um dann in ein völlig sauberes Haus zurück zu kehren. Verlassen mussten wir die Organisation nicht, aber es war trotzdem beeindruckend.

Ameisenstraße vorm Büro

Und ein paar Impressionen aus meinem Alltag...

Ausflug mit spanischen Touristen zu Pancho dem Künstler

Bei ihm sind die Sonnenuntergänge immer am schönsten

Dschungeltour mit Carlos 

Donuts machen bei Sonia, meiner Nachbarin



In Altamira 

Volleyball mit Freunden in Altamira

Zwei meiner besten Freunde hier

Oft backe ich in AsoProLa für Gruppen, hier mit Marmelade gefüllte Teigtaschen (empanadas dulces)

Ausflug zu einem Wasserfall. Davor 2 Stunden mit Machete durch den Dschungel...hat sich aber gelohnt!


Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal, 
eure Katja :) 


P.S.: Im letzten Eintrag ging es ja um die Wahlen in Costa Rica. Gewonnen hat Gott sei Dank der liberale Carlos Alvarado!

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