Leben im Paradies


Nach anderthalb Monaten in Altamira ist nun endlich ein Stück weit Alltag eingekehrt und ich habe die Möglichkeit euch in Ruhe von meinem Leben hier zu erzählen. Nach meiner Ankunft musste ich mich erst ein akklimatisieren, denn ich habe Costa Rica und die Menschen in diesem 300 – Seelen Dorf noch einmal von einer komplett anderen Seite kennengelernt als es in San José der Fall war. Nach einer 6,5 Stunden Fahrt von der Hauptstadt aus zur nächstgelegenen Bushaltestelle, ging es über einen nahezu unpassierbaren Schotterweg mit dem Geländewagen immer weiter und weiter und weiter...mitten ins Nichts hinein. Allerdings ein wunderschönes Nichts, denn die Natur hier ist atemberaubend. Gerade als ich dachte der Feldweg hört nie auf, tauchte Altamira zwischen Palmen und Bananenstauden auf und damit auch mein Zuhause für dieses Jahr.
 
Das Gelaende von AsoProLa

Die Hauptstrasse von Altamira

Aussicht aus meinem Zimmer
Noch ein mal AsoProLa
 
 
Ich wurde sehr freundlich von den Mitarbeitern meiner Organisation AsoProLa empfangen, die durch ihre Freiwilligenprogramme mit Universitäten oder Schulen in den USA und Kanada schon viel Erfahrung mit fremden Kulturen haben. Mit den übrigen Leuten aus dem Dorf ist das schon etwas schwieriger. Zwar wird man immer freundlich gegrüßt aber man erntet als einzige Westliche im Ort auch viele misstrauische und skeptische Blicke. Wenn man dann gefragt wird was man hier macht und wie lange man bleibt kommt zunächst selten mehr als ein emotionsloses „aha“ oder „hm“. Zu meiner Beruhigung konnte ich feststellen, dass sich diese Distanziertheit nach der dritten bis vierten Begegnung legt und die Leute einem umso mehr entgegen kommen. Mittlerweile fühle ich mich sehr wohl und habe schon viele Einladungen bekommen. Dennoch glaube ich, dass es noch seeeeehr sehr lange dauern wird bis ich die zahlreichen ungeschriebenen Regeln im Dorf und die hiesige Mentalität einigermaßen verstanden habe. Auch das Geschlechterverhältnis hier ist, naja sagen wir mal...eine komplizierte Angelegenheit. Aber darüber werde ich denke ich zu einem späteren Zeitpunkt noch mal berichten.
 
Weniger schwierig, sondern sehr angenehm, sind mein Leben in der Gastfamilie und die Arbeit in der Organisation. Meine Familie, die direkt gegenüber von AsoProLa wohnt, ist superlieb und hat mich sehr herzlich aufgenommen. Mit meiner Gastmutter Rosi und den beiden älteren Töchtern Yessica und Yendri hatte ich schon viel zu lachen, vor allem abends, wenn wir unsere mehr oder weniger gute Serie „Guerra de Rosas“ (Rosenkrieg) anschauen. Mein Gastvater Milson ist auch sehr nett und die 17 und 15 – jährigen Jungs Jafeth und Fabián erinnern mich manchmal irgendwie an meine Schwestern. Es gibt noch drei andere Geschwister in den USA oder San José, aber die werde ich wohl erst an Weihnachten kennen lernen.
 
Mit Yessica und Yendri arbeite ich auch in der Organisation zusammen und die beiden haben mir anfangs sehr geholfen mich zurecht zu finden. Mittlerweile habe ich schon in so vielen unterschiedlichen Bereichen gearbeitet und es kommt mir vor als würde ich jeden Tag was anderes machen. Ich habe z.B. in der Küche geholfen, Kuchen gebacken, Besuchergruppen bekocht, im Gewächshaus gearbeitet, in der Bananen/Kaffeeplantage geholfen, ganz ganz viel Kaffee gepflückt, Schilder für die Gemeinde hergestellt, Englischunterricht gegeben, im Büro ausgeholfen, neue Projekte mit geplant, bin auf Treffen mit anderen Organisationen mit usw... Letztens war auch eine erste Gruppe aus den USA da, die ich mit betreut habe. Leider ist deren Übersetzerin dann krank geworden und ich musste ran: meine bisher schwierigste Aufgabe. Am besten gefällt mir die Arbeit draußen in der Natur wie zum Beispiel die Kaffee-Ernte. Zwar ist diese Tätigkeit  sehr anstrengend und schweißtreibend, aber nebenbei wird die ganze Zeit gequatscht, gelacht und Musik gehört.
 
Einen kleinen Ausflug in den Urwald habe ich mir hier auch schon gegönnt. Altamira liegt nämlich am Eingang zum größten Nationalpark Costa Ricas, „La Amistad“, der die größte Artenvielfalt besitzt, jedoch auch der am wenigsten besuchte Park im Land ist. So konnten wir in Ruhe drei Tage durch den Urwald wandern und die Natur genießen ohne einer Menschenseele zu begegnen. Ein wirklich toller Trip!
 
Urwald...fast wie im Dschungelbuch

Eine kleine Wanderung

Ins Valle del Silencio




 
 
Es gibt noch so viel mehr zu erzählen, aber ich möchte nicht alles in einen Eintrag packen. Auf jeden Fall fühle ich mich im Naturparadies hier und mit den Menschen vor Ort sehr wohl. Auch habe ich das Gefühl, dass die Arbeit von AsoProLa sowie auch mein Beitrag in der Organisation sinnvoll sind. Aber dazu beim nächsten Mal mehr.
 
Liebe Grüße,
eure Katja J
 
Kunst in Altamira. Aber dazu schreibe ich bald mehr :)
 

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